Trainer Meyering will die Krise meistern!

TuS Stenern kämpft in der Fußball-Bezirksliga um den Klassenerhalt. Das sagt der Trainer Simon Meyering, so will er die Krise meistern.

Der Saisonstart ließ beim TuS Stenern noch aufhorchen: Nach sieben Spieltagen rangierte das Team auf einem starken zweiten Tabellenplatz und schien auf Kurs Richtung Spitzengruppe. Doch inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. Eine Serie enttäuschender Ergebnisse hat die Mannschaft bis auf den vorletzten Rang der Fußball-Bezirksliga abrutschen lassen – die Abstiegsgefahr ist real. Wie konnte es zu diesem Einbruch kommen? Welche Faktoren haben die Entwicklung beeinflusst, und wie will TuS Stenern den Negativtrend stoppen? TuS-Trainer Simon Meyering sprach vor dem Spiel beim SV Rindern über Ursachen, Verantwortung und die Herausforderungen im Abstiegskampf.

Am siebten Spieltag stand Ihr Team noch auf Platz zwei – was hat sich seitdem grundlegend verändert?

Simon Meyering: Wir sind sehr gut in die Saison gestartet und haben in dieser Phase enge Spiele auf unsere Seite gezogen. Seitdem hat sich vor allem die Gesamtsituation verändert: Wir hatten immer wieder mit Ausfällen wichtiger Spieler zu kämpfen und mussten personell viel rotieren. Gerade in einer Liga wie der Bezirksliga, die mit Ausnahme der beiden Topmannschaften sehr ausgeglichen ist, macht das auf Dauer einen Unterschied. Zudem ist es im Fußball oft so, dass sich Ergebnisse gegenseitig beeinflussen. Am Anfang gewinnt man knappe Spiele, später gehen diese 50:50-Partien dann eben auch mal verloren. Diese Dynamik hat uns getroffen. Und daraus ist eine Phase entstanden, die wir uns natürlich anders vorgestellt haben.

Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für die aktuelle Krise mit nur acht Punkten aus den letzten 16 Spielen? In den ersten zehn Spielen der Rückrunde konnte noch keine Partie gewonnen werden.

Meyering: Es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Zum einen hatten wir immer wieder personelle Rückschläge, gerade auf Schlüsselpositionen. Zum anderen spielt der mentale Aspekt eine enorme Rolle. Wenn Ergebnisse ausbleiben, wird der Kopf schwerer, Abläufe werden unsauberer und Entscheidungen dauern länger. Dazu kommt, dass wir zu Saisonbeginn sehr effizient waren und aus wenigen Chancen viel gemacht haben. Diese Effizienz ist uns zuletzt abgegangen. Wichtig ist mir aber zu betonen: Es ist kein einzelner Grund und keine Frage des Wollens, die Mannschaft arbeitet sehr ordentlich.

Wie sehr spielt der Kopf aktuell eine Rolle bei Ihren Spielern angesichts der Negativserie?

Meyering: Der Kopf spielt eine entscheidende Rolle, das wäre unehrlich zu leugnen. Fußball findet nicht nur in den Beinen statt. Gerade wenn du mehrere Spiele nicht gewinnst, schleichen sich Zweifel ein, selbst bei erfahrenen Spielern. Dinge, die am Anfang der Saison selbstverständlich waren, fühlen sich plötzlich schwerer an. Genau deshalb arbeiten wir aktuell sehr viel daran, wieder Klarheit, Überzeugung und Vertrauen in das eigene Spiel zu bekommen.

Mit nur 30 Toren in 27 Spielen stellt Ihre Mannschaft die schwächste Offensive – woran hapert es im Angriff konkret?

Meyering: Uns fehlt aktuell die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Wir erspielen uns zu wenige klare Torchancen und sind nach vorne nicht konstant gefährlich genug. Zu Saisonbeginn haben wir unsere wenigen Möglichkeiten sehr konsequent genutzt, das war ein großer Faktor. Jetzt brauchen wir häufig zu viele Aktionen, um überhaupt in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu kommen. Das ist weniger eine Frage der individuellen Qualität, sondern eher der Abläufe, der Entscheidungsfindung und des Selbstvertrauens.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie im Training, um die Torflaute zu beenden?

Meyering: Wir arbeiten sehr viel in intensiven, kleinen Spielformen mit hoher Wiederholungszahl. Abschlüsse gehören dazu, aber uns geht es vor allem darum, wieder öfter und sauberer in gefährliche Räume zu kommen. Dazu kommen taktische Anpassungen, um das Spiel über die Flügel stärker zu forcieren und wieder mehr Präsenz im Strafraum zu bekommen.

Auswärts konnte Ihr Team nur eines von 13 Spielen gewinnen. Warum tut sich die Mannschaft in der Fremde so schwer?

Meyering: Eine einfache Erklärung gibt es dafür ehrlich gesagt nicht. Es liegt aus meiner Sicht nicht am Untergrund, denn wir spielen regelmäßig auf Natur- und Kunstrasen. Vielmehr ist es auch hier ein mentaler Aspekt. Zu Hause fällt vieles leichter, auswärts braucht man manchmal ein bisschen mehr Widerstandsfähigkeit, gerade wenn es nicht läuft. Das ist ein Punkt, an dem wir arbeiten, indem wir versuchen, unsere Spielprinzipien unabhängig von Ort und Gegner konsequent durchzuziehen.

Sehen Sie eher taktische Probleme im Offensivspiel oder liegt es an der individuellen Form der Spieler?

Meyering: Auch hier ist es eine Mischung. Wir haben lange mit einer Dreierkette gespielt, die uns defensiv enorm stabilisiert hat. Das war erfolgreich, auch wenn wir offensiv nie viele Chancen hatten. Als die Ergebnisse ausblieben, haben wir uns bewusst für eine Umstellung entschieden, um unser Spiel nach vorne variabler zu gestalten. Parallel dazu muss man ehrlich sagen, dass Leistungsträger derzeit teils nicht ihre beste Form haben. Das ist menschlich und gehört zum Fußball dazu.

Gibt es innerhalb der Mannschaft genügend Führungsspieler, die in so einer Situation vorangehen?

Meyering: Wir haben insgesamt nicht viele klassische Führungsspieler, das ist kein Geheimnis. Die Führungsspieler, die wir haben, haben dann aufgrund von Beruf, Verletzungen oder privater Angelegenheiten häufiger gefehlt als gehofft. Wenn wichtige Kommunikatoren und Organisatoren ausfallen, wird es in schwierigen Phasen natürlich schwerer. Umso positiver ist es, dass diese Spieler jetzt wieder zurückkommen und wir aktuell wieder eine andere Präsenz auf dem Platz und im Training spüren.

Wie gehen Sie als Trainer persönlich mit dieser schwierigen Phase um?

Meyering: Mir ist wichtig zu betonen, dass es nicht um mich persönlich geht, sondern um die Mannschaft und den Klassenerhalt. Abstiegskampf ist für mich kein Neuland, und diese Erfahrungen helfen mir, die Situation realistisch einzuordnen. Wir arbeiten jede Woche sehr akribisch weiter. Sich selbst zu bemitleiden oder den Kopf in den Sand zu stecken, bringt niemanden weiter. Entscheidend ist, ruhig zu bleiben, klar zu bleiben und weiter an Lösungen zu arbeiten.

Spüren Sie weiterhin das Vertrauen des Vereins und des Umfelds trotz der aktuellen Ergebnisse?

Meyering: Ja, absolut. Ich spüre das volle Vertrauen des Vereins und meiner Mannschaft. Die Menschen, mit denen ich täglich arbeite, wissen, wie wir arbeiten und wofür wir stehen. Das gibt mir und uns allen große Rückendeckung. Auch die Unterstützung aus dem Verein, etwa durch die Hilfsbereitschaft einiger Ü32-Spieler wie zum Beispiel Marc Beckert oder Kubilay Serbes zeigt, dass wir hier gemeinsam an einem Strang ziehen. Kritische Stimmen von außen gehören im Fußball dazu, gerade in einer solchen Phase. Aber wer nicht Teil des täglichen Prozesses ist, kann oft nur auf Ergebnisse schauen, nicht auf Inhalte, Entwicklungen und Rahmenbedingungen. Entscheidend ist für mich daher, dass die entscheidenden Personen hinter uns stehen und genau das tun sie. Wir gehen diesen Weg gemeinsam.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass Ihr Team die Wende im Saisonendspurt noch schaffen kann? Welche Lösungen bieten Sie an?

Meyering: Mich stimmt sehr zuversichtlich, dass wir aktuell wieder einen vollen Trainingsplatz haben und personell anders aufgestellt sind als noch vor einigen Wochen. Entscheidend ist für mich nicht, dass man Rückschläge erlebt, sondern wie man mit ihnen umgeht. Wie oft kann ich nach einem Rückschlag wieder aufstehen und was nehme ich Positives daraus mit? Genau da sehe ich bei meiner Mannschaft und auch bei mir persönlich eine große Stärke. Die Jungs sind resilient, sie hinterfragen sich, sind bereit zu lernen und machen viele kleine Schritte im Entwicklungsprozess. Dabei hilft uns natürlich auch die Präsenz der aushelfenden Spieler unserer Ü32 Mannschaft, denen ein großer Dank gilt. Alle sind willig und absolut bereit, den Kampf anzunehmen. Dazu kommen viele direkte Duelle gegen Konkurrenten im Tabellenkeller. Das sind genau die Spiele, in denen wir zeigen werden, dass wir Fußball spielen können und leben.

Das Interview führte Rolf Himmelberg (BBV-Ausgabe vom 18.04.26).