Starker Saisonauftakt!

In der Fußball-Bezirksliga spielt neben Tabellenführer VfL Rhede auch der TuS Stenern bislang eine starke Saison.

Der VfL Rhede dominiert die Fußball-Bezirksliga mit sieben Siegen aus sieben Spielen. Dadurch gerät die Leistung des TuS Stenern ein bisschen in den Hintergrund. Dabei spielt auch das Team von Trainer Simon Meyering bislang eine sehr starke Saison. Fünf Siegen und einem Remis steht bislang nur eine Niederlage gegenüber. In der Tabelle bedeutet das Platz zwei. Das sagt Meyering zum bisherigen Abschneiden.

Herr Meyering, TuS Stenern steht nach sieben Spieltagen überraschend auf Platz zwei – was sind aus Ihrer Sicht die Hauptgründe für diesen starken Saisonstart?

Simon Meyering Der Hauptgrund ist für mich ganz klar die geschlossene Mannschaftsleistung gegen den Ball. Jeder arbeitet für den anderen, und genau das macht uns im Moment stark. Dazu kommt, dass wir unser System von einer Viererkette auf eine Dreierkette umgestellt haben. Dadurch sind wir defensiv stabiler geworden und haben in den meisten Spielen mehr Kontrolle als unsere Gegner. Außerdem profitieren wir inzwischen von einer echten Kaderbreite, was in den Vorjahren häufig nicht der Fall war.

War ein Platz im oberen Tabellendrittel das erklärte Ziel – oder überrascht Sie dieser Höhenflug selbst ein wenig?

Meyering Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Ein klares Saisonziel zu nennen, war vor Saisonbeginn allerdings schwierig, weil uns einige Gegner komplett unbekannt waren. Unser Fokus lag deshalb darauf, uns selbst weiterzuentwickeln und besser abzuschneiden als in der letzten Saison. Dass uns das aktuell so gut gelingt, ist eine schöne Momentaufnahme, die wir natürlich gerne mitnehmen. Nach sieben Spieltagen ist die Tabelle für mich aber noch nicht allzu aussagekräftig. Trotzdem zeigt sich schon eine Tendenz, mit der wir bisher zufrieden sind. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass wir seit Monaten hart dafür arbeiten und uns nichts geschenkt wird.

Wie gehen Sie als Trainer mit der neuen Favoritenrolle um? Spüren Sie mehr Druck oder überwiegt die Freude?

Meyering Ehrlich gesagt bereiten wir uns auf jedes einzelne Spiel so vor, dass wir es gewinnen wollen. Druck verspüren wir dabei keinen – wenn, dann machen wir uns den selbst. Aktuell überwiegt klar die Freude. Mit der Mannschaft zu arbeiten, macht im Moment unheimlich viel Spaß, es herrscht eine sehr harmonische Stimmung.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit TuS Stenern dieses Niveau langfristig halten kann?

Meyering In den letzten Jahren hat sich bei uns im Kader einiges verändert und auch der Verein hat sich insgesamt positiv weiterentwickelt. Seit einigen Jahren gelingt es uns, junge Spieler aus der eigenen Jugend einzubauen und Stück für Stück aufzubauen. Bei unserer Transferpolitik legen wir besonders großen Wert auf den Charakter der Spieler – und damit fahren wir sehr gut. Es freut mich, dass die aktuelle Tabellensituation zeigt, dass sich die Arbeit der letzten Jahre auszahlt. Wir haben eine sehr wissbegierige Mannschaft mit einem guten Mix aus jungen und erfahrenen Spielern – das ist eine solide Basis, um dieses Niveau auch langfristig halten zu können.

In der vergangenen Saison kassierte Ihr Team 75 Gegentore, aktuell sind es erst sechs – wie haben Sie es geschafft, die Defensive so deutlich zu stabilisieren?

Meyering Ich denke, die Systemumstellung tut uns richtig gut. In der Saisonvorbereitung haben wir sehr intensiv im taktischen Bereich gearbeitet, weil wir überzeugt waren, dass dieses System besser zu unserem Kader passt. Dadurch haben wir bei Ballverlusten eine deutlich bessere Grundabsicherung und lassen aktuell sehr wenig zu. Das bereitet unseren Gegnern bisher Probleme und so konnten wir in vier von sieben Meisterschaftsspielen zu Null spielen. Außerdem arbeiten wir viel an unseren Umschaltmomenten und haben klare Vorgaben fürs Anlaufen. Inzwischen erkennen wir unsere Pressingauslöser sehr gut und wissen genau, wann wer welchen Gegenspieler attackieren muss.

Henning Kubo (von links), Simon Meyering, Michael Warmers und Philipp Juttner bilden das Trainerteam von TuS Stenern.© Daniel Oenning

Gab es in der Sommerpause personelle oder taktische Veränderungen, die diesen Leistungssprung möglich gemacht haben?

Meyering Wie schon erwähnt, tut uns die Umstellung auf die Dreierkette sehr gut. Außerdem ist es erfreulich, dass wir mit Tom Luka Wanders, der im Sommer vom VfL Rhede kam, und mit Alexander Biermann, der bereits im Winter von den SF 97/30 Lowick zu uns gewechselt ist, zwei Offensivspieler haben, die sehr zuverlässig treffen. Beide wissen genau, wo das Tor steht, und profitieren im Moment davon, dass wir als Mannschaft extrem viel investieren und hart arbeiten. Das reißt Räume auf und bringt die beiden regelmäßig in gute Abschlusspositionen. Grundsätzlich steht bei uns immer die gesamte Mannschaft im Vordergrund, aber wir sind natürlich froh, zwei so treffsichere Spieler in unseren Reihen zu haben.

Was zeichnet die aktuelle Mannschaft aus – eher die individuelle Klasse oder die mannschaftliche Geschlossenheit?

Meyering Ich würde sagen, es ist beides. Wir arbeiten mit einem 27-Mann-Kader, in dem wirklich jeder Spieler wichtig für uns ist. Nur als Einheit sind wir stark. Unser Torhüter und die Verteidigung tragen genauso ihren Anteil am Erfolg wie die Spieler, die vorne die Tore erzielen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir in allen Mannschaftsteilen auch über eine gute individuelle Qualität verfügen. Trotzdem bleiben die Grundtugenden wie Einsatz, taktische Disziplin, Zweikampfhärte, Aggressivität auf zweite Bälle und unsere mannschaftliche Geschlossenheit das Erfolgsrezept.

Wie sehr spielt auch die mentale Komponente eine Rolle – ist die Mannschaft selbstbewusster geworden?

Meyering Ich denke, der Kopf spielt im Fußball immer eine große Rolle. Mit einer Erfolgsserie im Rücken tritt man ganz anders auf, als wenn man wochenlang ohne Punkte dasteht. Die Stimmung ist im Moment sehr gut und das Selbstvertrauen steigt, was man auch in den Spielen deutlich merkt. Gleichzeitig spüren wir auch, dass die Gegner uns inzwischen ein wenig anders begegnen, als wenn wir im Mittelfeld der Tabelle stehen würden. Der mentale Einfluss ist also nicht nur bei uns selbst zu sehen, sondern auch im Verhalten der Gegner.

Haben Sie das Gefühl, dass die Spieler mittlerweile stärker an Ihre Spielidee glauben?

Meyering Wir haben unsere Spielidee ein Stück weit gemeinsam mit der Mannschaft erarbeitet. Dabei haben wir uns intensiv mit den Stärken und Schwächen verschiedener Herangehensweisen beschäftigt und sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns klar auf eine Spielidee fokussieren wollen. Der bisherige Saisonverlauf zeigt deutlich, dass sich unser Kader damit zu 100 Prozent identifiziert.

Wie erleben Sie persönlich diese erfolgreiche Phase – und was bedeutet sie für Sie als Trainer?

Meyering Für uns als Trainerteam ist es schön zu sehen, dass die harte Arbeit der letzten Jahre nun Früchte zu tragen scheint. Gleichzeitig dürfen wir aber nicht den Fehler machen, uns auf dem guten Start auszuruhen. Unser Ziel ist es, die bisherigen Leistungen weiter zu bestätigen. Außerdem wissen wir, dass wir in vielen Bereichen noch Luft nach oben haben und uns weiter verbessern wollen. Wir sind uns bewusst, was uns in den ersten Wochen stark gemacht hat und genau daran wollen wir anknüpfen.

Was motiviert Sie aktuell besonders in Ihrer Arbeit mit dem Team?

Meyering Wir arbeiten hier mit einer charakterlich einwandfreien Mannschaft in einem großartigen Familienverein, der uns immer unterstützt. Besonders hervorheben möchte ich außerdem Henning Kubo, der unser harmonisches Trainerteam als weiterer Co-Trainer verstärkt. Durch sein Kleingruppentraining, die individuellen Gespräche mit den Spielern und seine Art insgesamt ist er eine große Bereicherung für uns. In dieser Gesamtkonstellation macht es einfach richtig Spaß – und genau das motiviert uns momentan, fleißig weiterzuarbeiten.

Bericht: BBV-Ausgabe vom 01.10.25
Fotos: Daniel Oenning (BBV) /TuS Stenern