Rekordspieler Niklas Kraft!

235 Spiele. Eine Geschichte. Eine Mentalität. Eine Legende.

Seit mehr als einem Jahrzehnt trägt Niklas Kraft das Trikot des TuS Stenern. Nun ist der 31-Jährige mit 235 Einsätzen Rekordspieler des Bezirksligisten. Mit dem BBV blickt er auf das größte Spiel und die schönsten Momente zurück.

Bericht: Björn Brinkmann -Sportredaktion BBV-, BBV-Ausgabe vom 08.10.2026
Fotos: TuS Stenern

Es war sportlich kein Abend nach dem Geschmack des TuS Stenern. Mit 1:2 unterlag der Bezirksligist am vergangenen Freitag dem SV Budberg II. Für Niklas Kraft bekommt die Partie dennoch einen besonderen Platz in seiner persönlichen Fußballgeschichte. Als der 31-Jährige in der 68. Minute für Johannes Seggewiß eingewechselt wurde, absolvierte er seinen 235. Einsatz für den TuS – und ist damit neuer Rekordspieler des Vereins.

„Ich hatte das erst gar nicht so realisiert“, sagt Kraft. Zwar habe er gewusst, dass er sich der bisherigen Bestmarke nähere. Dass es nun tatsächlich so weit war, sei aber dennoch ein besonderer Moment gewesen. „Es ist schon eine stolze Zahl. Da sieht man erst einmal, wie die Zeit vergeht und wie lange man schon im Verein ist.“

Mit seinem 235. Spiel löste Kraft seinen ehemaligen Teamkollegen Benjamin Lückel (Foto links) an der Spitze ab. Ausgerechnet Lückel gehört zu den Spielern, die Kraft auf seinem Weg besonders lange begleitet haben. Beide spielten bereits in der A-Jugend zusammen und gingen anschließend gemeinsam durch die Seniorenjahre.

Dabei ist Kraft gar kein Stenerner Eigengewächs. Aufgewachsen ist er in Mussum, wo er auch den größten Teil seiner Jugendzeit verbrachte. Erst im letzten A-Jugend-Jahr wechselte er nach Stenern. Seit seinem Einstieg in den Seniorenfußball trägt er ununterbrochen das TuS-Trikot.

Ein Abschied war in all den Jahren kaum ein Thema. Selbst während einer Phase des Umbruchs entschied sich Kraft dafür, in Stenern zu bleiben. Warum, kann er schnell erklären. „Es hat immer Spaß gemacht, und man hat sich immer wohlgefühlt.“ Besonders die familiäre Atmosphäre zeichne den Verein aus. Bei der Zusammenstellung der Mannschaft sei stets darauf geachtet worden, dass nicht nur die fußballerische Qualität, sondern auch die Chemie innerhalb der Gruppe stimme. „Der Zusammenhalt war immer gut. Ich glaube, das macht Stenern aus.“

In mehr als einem Jahrzehnt Seniorenfußball hat Kraft entsprechend viel erlebt. Zu seinen schönsten Erinnerungen zählt ein Bezirksliga-Spiel bei TuB Bocholt, als der TuS gegen den Abstieg kämpfte. In der 90. Minute erzielte Kraft damals das entscheidende Tor zum 2:1. „Das war von vielen Emotionen geprägt, weil das wichtige Punkte für uns waren.“ Dass es von der Partie noch Videoaufnahmen gibt, sorgt dafür, dass die Erinnerung bis heute besonders präsent ist.

Niederrheinpokal gegen den MSV Düsseldorf

Auch an einen Erfolg im Niederrheinpokal im August 2017 denkt Kraft gerne zurück. Damals spielte Stenern noch in der Kreisliga A und setzte sich gegen den Landesligisten MSV Düsseldorf im Elfmeterschießen durch. „Das war schon eine geile Erfahrung.“

Der größte sportliche Erfolg bleibt für den 31-Jährigen allerdings der Bezirksliga-Aufstieg. Kraft hat die Entwicklung des TuS nahezu komplett miterlebt: von seinen ersten Schritten im Seniorenbereich über die Kreisliga bis zum Aufstieg und zur Etablierung in der Bezirksliga.

Aufstieg in die Bezirksliga mit Carsten Willing

Dabei begegneten ihm viele Mitspieler und Trainer. Gerade von den erfahrenen Akteuren seiner Anfangsjahre habe er viel gelernt. Kraft nennt unter anderem Tim Hakvoort, Carsten Willing, Kubilay Serbes und Roy Nijman. Auch Benjamin Lückel gehört für ihn selbstverständlich in diese Reihe. Unter den Trainern erinnert er sich an seine ersten Berührungspunkte mit Uli Wanders. Besonders prägend sei zudem die Zeit unter Michael Gastrop gewesen, mit dem der TuS erstmals den Sprung in die Bezirksliga schaffte. „Da hat man auch taktisch noch einmal mehr kennengelernt.“

Aufstiegsmannschaft 2018/19

Und nun? 235 Spiele sind erreicht – aber eine neue Bestmarke hat sich Kraft nicht vorgenommen. Die 300 etwa sind für ihn derzeit kein erklärtes Ziel. „Erst einmal steht im Vordergrund, dass ich gesund bleibe.“ Gedanken an die Ü32 habe es zwar bereits gegeben, schließlich spielen dort viele langjährige Weggefährten. Ein konkreter Zeitpunkt für den Wechsel ist aber nicht geplant.

Dafür ist die Lust auf den Fußball noch zu groß. „Ich habe auf jeden Fall immer noch Spaß und Bock auf Fußball“, sagt Kraft. „Ich lebe jetzt erst einmal im Hier und Jetzt.“ Und so dürfte die Zahl 235 nur eine Zwischenstation sein. Schon am Freitag im Derby bei der DJK Rhede könnte Krafts Rekord weiter wachsen.