„Man muss nicht alles schönreden!“

Eric Wohlfarth, bekannt auf Bocholts Fußballplätzen, ist zurück. Beim TuS Stenern bringt er Erfahrung und klare Ansagen ein – mit Erfolg. Unserer Redaktion hat er außerdem verraten, wie er zu seinem Spitznamen „Ete“ kam.

-> Björn Brinkmann (Sportredaktion BBV) führte das Gespräch mit Eric Wohlfarth (BBV-Ausgabe vom 01.10.26)

Eric Wohlfarth ist auf den hiesigen Fußballplätzen bekannt wie ein bunter Hund. Nach seiner aktiven Spielerkarriere war der heute 60-Jährige unter anderem als Co-Trainer von Olympia Bocholt, SC 26 Bocholt und TuB Bocholt aktiv oder coachte Borussia Bocholt und den VfL 45 Bocholt. Nach einer längeren Pause ist er Ende August wieder beim Bezirksligisten TuS Stenern eingestiegen und arbeitet an der Seite von Coach Simon Meyering. Seitdem holte das Team zehn Punkte aus vier Spielen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Herr Wohlfarth, nach einer längeren Pause sind Sie als Co-Trainer zum TuS Stenern zurückgekehrt. Was hat Sie überzeugt, wieder einzusteigen?

Eric Wohlfarth Simon Meyering hat mich vor dem ersten Spieltag gefragt, ob ich Lust hätte. Ich habe mir vorher einige Testspiele angeschaut und anschließend auch das erste Meisterschaftsspiel in Friedrichsfeld angesehen. Dabei habe ich gemerkt, dass in der Mannschaft Potenzial steckt, aber vor allem an der Einstellung gearbeitet werden muss. Danach haben Simon und ich lange gesprochen. Ich kenne viele Spieler bereits und habe gesehen, dass der Verein mit mehreren Seniorenmannschaften und einer starken Jugend insgesamt gut aufgestellt ist. Außerdem wohne ich ganz in der Nähe. Da habe ich gesagt: „Dann fängst du einfach mal an.“

Wie sieht die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen und Simon Meyering (Foto) aus?

Wohlfarth Wir teilen uns das Training und sprechen uns bei der Aufstellung ab. Vor den Spielen bereiten wir gemeinsam die Ansprache vor. Simon beginnt meistens, ich ergänze dann noch einige Punkte. Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit den Gegnern, schauen Spiele an, holen Informationen ein und tauschen uns aus. Das ist klassische Arbeit im Trainerteam.

Wie beurteilen Sie die Mannschaft? Wo liegen ihre Stärken?

Wohlfarth Die größte Stärke ist mittlerweile der Zusammenhalt. Die Mannschaft ist zu einer richtigen Einheit geworden. Im Training pushen sich die Jungs gegenseitig, sie werden lauter, gieriger und fordern sich untereinander. Dazu kommen viele junge Spieler aus der eigenen Jugend, die viel Potenzial mitbringen. Entscheidend ist aber die richtige Einstellung – und die haben die Jungs inzwischen verinnerlicht.

Welche Rolle übernehmen Sie persönlich innerhalb des Trainerteams?

Wohlfarth Simon ist sehr ehrgeizig und extrem engagiert. Ich bin jemand, der Dinge klar anspricht. Wenn ich den Mund aufmache, dann sage ich auch, was Sache ist. Die Spieler bekommen Lob, wenn sie es verdienen, aber eben auch deutliche Worte, wenn etwas nicht passt. Man muss auch mal den Finger in die Wunde legen und nicht alles schönreden. Das funktioniert im Moment sehr gut.

Sie sind seit Jahrzehnten auf den Fußballplätzen in Bocholt unterwegs. Was reizt Sie immer noch daran, im Amateurfußball zu arbeiten?

Wohlfarth Man schaut sich die Vereine genau an. Wenn irgendwo Unruhe herrscht oder der Verein nicht hinter der Mannschaft steht, dann sollte man lieber die Finger davon lassen. In Stenern habe ich gemerkt, dass Vorstand, Umfeld und Mannschaft an einem Strang ziehen. Der Verein ist gut organisiert und entwickelt sich. Da macht es dann einfach Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.

Welche Ziele haben Sie mit der Mannschaft?

Wohlfarth Simon hat als Ziel einen Platz unter den ersten Zehn genannt. Ich sehe aber das Potenzial, um unter die ersten Fünf zu kommen. Dafür müssen wir aber jedes Spiel mit der richtigen Einstellung angehen und lernen, unsere Chancen konsequenter zu nutzen. Die Qualität ist da. Jetzt müssen wir sie Woche für Woche auf den Platz bringen.

Würden Sie sich selbst als fußballverrückt bezeichnen?

Wohlfarth Ja, schon. Ich schaue mir viele Spiele an. Morgens Jugendfußball, danach vielleicht Frauenfußball, später noch ein Herrenspiel. Wenn wir selbst nicht spielen, fahre ich freitags oder samstags ebenfalls zu Fußballplätzen. Das ist einfach meine Leidenschaft.

Viele kennen Sie unter dem Spitznamen „Ete“. Woher kommt der?

Wohlfarth Den hat mir damals Rolf Essing (war unter Wohlfarth Spieler bei Olympia) gegeben. Er hat immer gesagt: „Ohne Ete keine Fete.“ Irgendwann hat sich das einfach durchgesetzt und seitdem nennen mich alle so.

Woran würden Sie am Saisonende festmachen, dass Ihr Engagement in Stenern erfolgreich war?

Wohlfarth Das hängt nicht an meiner Person. Wir haben in Stenern ein gutes Trainer- und Betreuerteam, das hervorragend zusammenarbeitet. Ich würde mich freuen, wenn wir am Ende unter den ersten Fünf stehen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Dafür arbeiten wir gemeinsam. Simon und ich denken ähnlich, und genau das ist die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Fotos: TuS Stenern