Im Jugendfußball gibt es in ganz NRW ab dem 1. August die Gelb-Rote Karte. Der Westdeutsche Fußballverband hätte sich ein anderes System gewünscht, doch ihm blieb keine Wahl.
Ab dem 1. August 2025 gibt es eine große Regeländerung im Juniorenfußball. Auf dem ordentlichen Jugendtag des Westdeutschen Fußballverbands (WDFV) am 6. Juli wurde beschlossen, dass die Zeitstrafe in allen Jugendspielklassen abgeschafft und durch die Gelb-Rote Karte ersetzt wird. Die Regelung gilt flächendeckend für NRW, wie Holger Bellinghoff, Vorsitzender des Jugendausschusses beim WDFV, auf Nachfrage dieser Redaktion bestätigt.
Aus freien Stücken habe man sich nicht für eine Regeländerung entschieden, erklärt Bellinghoff von Beginn an: „Der DFB hat uns vor die Wahl gestellt. Es gab zwei Systeme, die von der IFAB (International Football Association Board) vorgestellt wurden. Der DFB hat sich für System B entschieden und wir haben dann vom DFB die Wahl bekommen, für welche Variante von System B wir uns entscheiden.“
System A ist die Regelung, die noch bis zum 31. Juli gilt. Dort heißt es, dass alle verwarnungswürdigen Vergehen mit einer Zeitstrafe geahndet werden und dass Spieler, die im selben Spiel zum zweiten Mal verwarnt werden, eine erneute Zeitstrafe erhalten und im Anschluss daran vom Spiel ausgeschlossen werden. Sofern das Team sein Wechselkontingent nicht ausgeschöpft hat, dürfte dieser aber durch einen Einwechselspieler ersetzt werden.
„War keine Freiwilligkeit“
„Das war keine Freiwilligkeit. Wir hatten gehofft, dass wir bei der alten Regelung bleiben könnten. Die Möglichkeit gab es aber nicht. Wir hatten bis zuletzt gehofft, dass wir die Zeitstrafe behalten können und haben uns jetzt für dieses Modell mit einer Eskalationsstufe entschieden“, sagt der Vorsitzende.
In „System B: Zeitstrafen bei bestimmten Verwarnungen“ heißt es, dass alle verwarnungswürdigen Vergehen mit einer gelben Karte ohne Zeitstrafe bestraft werden. „Nur bestimmte verwarnungswürdige Vergehen werden mit einer Zeitstrafe geahndet“, heißt es weiter.
Zu diesen „bestimmten verwarnungswürdigen Vergehen“ wird angemerkt, dass es sinnvoll sein könne, bei einigen Wettbewerben ein Fehlverhalten mit einer Zeitstrafe zu ahnden. Darunter fällt Verhalten wie Simulieren oder absichtliches Verzögern der Spielfortsetzung. Auch Protestieren, verbale Äußerungen und andere Unsportlichkeiten könne man mit Zeitstrafen ahnden. Der WDFV hat sich aber dagegen entschieden und noch eine entscheidende Zusatzregelung hinzugefügt.
„Wir konnten das Altbewährte nicht behalten und somit nur zwischen Modell B und der Gelb-Roten Karten wählen. Wir haben uns dann für die Gelb-Rote entschieden, mit dem Zusatz, keine Sperre dranzuhängen. So hat man diese Eskalationsstufe und die Gelb-Rote Karte gibt es ab dem Seniorenbereich ja sowieso“, wie Bellinghoff bestätigt.
Der WDFV sei dabei nicht das einzige Bundesland, was sich für die Rückkehr der Gelb-Roten Karte entschieden habe, wie der Vorsitzende anmerkt. Auch Bundesländer wie Hessen oder Berlin haben sich für diese Regelung entschieden. Dabei wurde ursprünglich über eine ganz andere Regelung nachgedacht.
Demnach wurde von der IFAB über die Einführung einer „blauen Karte“ diskutiert. Die Regelung besagt, dass ein Spieler, der mit der blauen Karte verwarnt wird, eine zehnminütige Zeitstrafe erhält. Zum Einsatz soll die neue Karte bei taktischen Fouls, Meckern oder anderen Unsportlichkeiten kommen, um Härte und Regelverstöße im Spiel zu reduzieren, heißt es von der IFAB.
„Die blaue Karte war eine Überlegung“, bestätigt Bellinghoff und ergänzt: „Es gab sogar gewisse Studien, bei denen das schon getestet wurde. Man hat sich dann aber dazu entschieden, dass man im Amateur- und Jugendfußball andere Richtlinien hat und deswegen konnte der DFB nur zwischen den beiden Modellen wählen.“
Keine großen Hürden
Auch wenn der Vorsitzende vorzugsweise bei der aktuellen Regelung geblieben wäre, so sieht er keine großen Hürden bei der Umsetzung der neuen Beschlüsse. „Die Schiedsrichter wurden nach der Entscheidung sofort herangezogen und informiert. Ich sehe darin also keine Probleme und es ist ja auch kein großes Ding. Es ist eine Angleichung an den Seniorenfußball und nichts Neues“, meint Bellinghoff.
Ab der Spielzeit 2025/2026 wird eine bedeutende Regeländerung im Juniorenbereich des Fußballs eingeführt: Die Gelb-Rote Karte ersetzt die bisherige 5-Minuten-Zeitstrafe. Diese Neuerung soll ganz klar eine weitere Erziehungsmaßnahme darstellen.
§ 26 Erziehungsmaßnahme
(1) Erziehungsmaßnahmen sind die Verwarnung – (Gelbe Karte) – die Gelb/Rote Karte und die Rote Karte.
(2) Ein Junior, der sich während eines Spiels eines oder mehrerer Vergehen schuldig macht, kann verwarnt, in Folge zweier Verwarnungen mit einer Gelb/Roten Karte des Feldes verwiesen oder mit einer Roten Karte direkt des Feldes verwiesen werden.
Wird ein Spieler infolge zweier Verwarnungen im selben Spiel durch Zeigen der Gelb/Roten Karte des Feldes verwiesen, resultiert daraus keine weitergehende Sperre.
Hiermit sind die Folgen des Feldverweises durch Zeigen der Gelb/Roten Karte abschließend geregelt.
(4) Nach dem Spiel hat nur der Jugendbetreuer oder der Spielführer das Recht, den Schiedsrichter über den Grund des Feldverweises zu befragen.
Begründung:
Anpassung infolge Regeländerung.
Ersatz des Feldverweises auf Zeit (Zeitstrafe) durch die Gelb/Rote Karte.

