TuS Stenern steckt in der Krise: Nach starkem Saisonstart droht dem Bezirksligisten der Abstiegskampf. So bewertet Coach Simon Meyering die Lage.
Ende September führte unsere Redaktion das letzte Mal ein Interview mit Trainer Simon Meyering. Für den Fußball-Bezirksligisten lief es bis dahin hervorragend. Fünf Siegen standen damals lediglich ein Remis und eine Niederlage gegenüber, was in der Tabelle Rang zwei ausmachte. Doch seitdem lief nicht mehr viel zusammen. Lediglich ein Spiel wurde noch gewonnen. Es gab zwei Unentschieden, aber auch fünf Niederlagen. In der Tabelle der Bezirksliga reicht es nur noch zu Rang acht. Zeit für ein erneutes Gespräch mit Simon Meyering.
Herr Meyering, als Sie zuletzt mit uns sprachen, war die sportliche Situation bestens. Was ist nach diesem Gespräch schiefgelaufen?
Simon Meyering: Das ist eine berechtigte Frage, die wir uns teilweise auch selbst stellen. Uns war klar, dass das damals folgende Auswärtsspiel in Hamminkeln nach dem Sieg gegen den Spitzenreiter VfL Rhede schwer werden würde, weil der Gegner anders auf uns eingestellt war. Gegen Rhede waren wir Underdog, danach durch den guten Start in mehreren Spielen plötzlich Favorit. Dieser Rolle sind wir nicht gerecht geworden. Wir dachten eigentlich, dass wir den Turnaround frühzeitig schaffen würden. Jetzt sind wir seit sechs Meisterschaftsspielen ohne Sieg und mega unzufrieden. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um vor dem Winter wichtige Punkte zu holen und Abstand auf die Schleuderplätze herzustellen.
Hat Ihrem Team die Favoritenrolle vielleicht nicht gutgetan? Spielt der Kopf eine größere Rolle?
Meyering: Es kann sein, dass der Kopf eine Rolle spielt. Ich glaube aber eher, dass uns diese Art von Spielen nicht so gelegen hat. In den ersten Wochen haben wir viele 50:50-Spiele gewonnen – da hatten wir einfach das nötige Spielglück. Jetzt, mit einem Negativlauf, ist dieses Glück komplett weg. Und dabei war unsere Leistung gar nicht so viel schlechter als zu Beginn, gegen Haldern mal ausgenommen.
In den ersten Wochen haben wir aus wenig Chancen Tore gemacht und sind oft in Führung gegangen. Jetzt kassieren wir dumme Gegentore und nutzen unsere Chancen nicht. Früher haben wir knapp gewonnen, jetzt verlieren wir knapp. Da haben wir aktuell einfach ein bisschen die „Scheiße am Fuß“. Natürlich spielt Selbstbewusstsein nach einer Negativserie auch eine Rolle. Aber jetzt ist die Erfahrung meiner Mannschaft gefragt, um da herauszukommen.
Stimmt die Einstellung? Ihre Mannschaft hat seit dem letzten Gespräch nur gegen den VfL Rhede, SF 97/30 Lowick und BW Dingden II gepunktet – Mannschaften, die man gut kennt und gegen die Mann nicht das Nachsehen haben will. Alle anderen Spiele gingen verloren.
Meyering: Das ist richtig. Aber ich kann der Mannschaft grundsätzlich keine Einstellungsprobleme vorwerfen. Die Einstellung ist da. Eine richtige Erklärung haben wir nicht, warum plötzlich Dinge anders laufen als zuvor. Die Einstellung mag ein Teilaspekt sein, aber sicher nicht der allein ausschlaggebende. Wir haben auch auf der Bank reagiert, wenn jemand die Einstellung vermissen ließ. Wille und Engagement sind vorhanden – wir müssen jetzt einfach mal wieder einen dreckigen Sieg landen.
Oder waren die Gegner am Anfang einfach deutlich einfacher? Fünf der sieben Mannschaften, auf die Ihr Team bis dahin getroffen ist, stehen auf einem zweistelligen Tabellenplatz. Seit dem Gespräch sind es nur drei von acht.
Meyering: Es kann durchaus sein, dass die Ergebnisse anfangs etwas täuschten. Wenn man früh in einer Saison zwei glückliche Punkte holt, fällt das stärker ins Gewicht als nach 15 Spieltagen. Trotzdem sehe ich die Gegner der letzten Wochen nicht unbedingt stärker – eher unsere eigene Leistung schwächer. Wir haben einfach aktuell Pech gepaart mit einem Quäntchen Einstellung – und das bringt uns in die momentane Situation.
Das 1:6 gegen den SV Haldern war heftig. Danach gab es im Pokal ein 5:0 gegen den Weseler SV. Da dachte man, es geht wieder in die richtige Richtung, tat es aber nicht. Was kann das Trainerteam jetzt noch ändern?
Meyering: Grundsätzlich versuchen wir immer, neue Impulse zu setzen. Aber wir müssen gerade viel jonglieren: Verletzungen, angeschlagene Spieler, Krankheitswelle. Wir haben taktische Veränderungen ausprobiert, sind aber teilweise wieder davon zurück. Wir arbeiten akribisch daran, den Hebel zu finden – bisher ohne den gewünschten Effekt. Aber wir sind überzeugt, dass wir den Turnaround noch vor dem Winter schaffen.
Erst geht es zum Tabellendritten DJK Twisteden, dann zu Hause gegen Alemannia Pfalzdorf auf Rang 14 – das werden ganz wichtige Spiele, oder?
Meyering: Absolut. Wir fahren nicht nach Twisteden und sagen, wir müssen dort gewinnen. Ich würde auch mit einem Punkt gut leben können. Aber unser Ziel sind mindestens drei, besser vier Punkte bis zur Winterpause.
Wie dramatisch ist die Situation wirklich?
Meyering: Sie ist schon gefährlich. Die Liga ist sehr ausgeglichen und wir stehen nur vier Punkte über dem Strich – da gibt es nichts schönzureden. Auswärts sind wir bisher brutal schwach. Sollten wir das nächste Auswärtsspiel verlieren, stecken wir mitten im Abstiegskampf. Die Situation ist angespannt, auch wenn wir von unserer Qualität überzeugt sind. Wir werden personell Dinge ändern: Spieler, die lange auf ihre Chance gewartet haben, werden sie bekommen. Andere, die sich vielleicht zu sicher fühlten, haben über sechs Spiele nicht geliefert – das muss Konsequenzen haben.
Wird im Winter personell nachgelegt? Oder halten Sie den Kader für stark genug?
Meyering: Ich bin von der Qualität meines Kaders überzeugt. Dennoch laufen Gespräche mit einem weiteren Spieler. Einen Namen kann ich aber noch nicht nennen.
Interview: Björn Brinkmann, BBV-Ausgabe vom 04.12.25
Fotos: TuS Stenern

